Essen mit Raupen, Würmern und anderem Getier

Anonym 

Verschickungsheim: St. Antonius Haus Niendorf Ostsee

Zeitraum (Jahr): 1951

Welche Arten von Misshandlungen/Missbrauch gab es?: beides

1951 Mai–Oktober im St.Antoniushaus/Niendorf- Ostsee Ich war nicht nur klein, sondern auch extrem dünn und wurde dann im Jahr 1951 nach Niendorf /Ostsee in das St.Antoniushaus (Katholisches Kinderheim) verschickt, es sollte zur Erholung sein, für uns Kinder war es teilweise aber der Horror. Hier nur ein paar Beispiele: Zum Essen gab es sehr viel Kohlsuppen und Kohl als Gemüse auf jeden Fall immer ziemlich Fett- und Geschmacklos dafür aber oft mit Raupen, Würmern und anderem Getier. Wenn wir die raussortierten wurden sie von den Schwestern aber überwiegend von den Nonnen wieder in das Essen gerührt und wir wurden gezwungen es aufzuessen wenn sich jemand erbrach und es landete auf dem Teller so musste Er oder Sie es trotzdem aufessen, anschließend sauber machen und zur Strafe in der Badewanne im Bad alleine schlafen. .Ein andermal war ein starkes Gewitter und wir lagen in der Liegehalle beim Mittagsschlaf (waren bei dem Gewitter aber alle wach) als ein kalter Kugel-Blitz in das Dach des Haupthauses einschlug und auf der anderen Dachseite wieder herauskam und dann am Haus runterrollte. Die Nonnen lagen nur auf den Knien und waren beim Beten. Für uns Kinder war es aufregend, wir haben zugesehen wie alles passierte und hörten dann Schreie aus dem Haus, von den Nonnen rührte sich weiterhin keine. Da sind wir mit ein paar Kindern einfach in das Haus gelaufen, trotz der Rufe das wir in der Liegehalle bleiben und mit beten sollten. Als wir ins Dachgeschoss kamen roch es dort stark verbrannt und aus einem Zimmer kam stöhnen und weinen, als wir die Tür nach langem zögern öffneten, saß dort auf dem Metallbett Fräulein Edith, eine Helferin die wir am liebsten hatten und konnte sich nicht mehr rühren, wir sahen das ihre Haare verbrannt waren, sie war nicht ansprechbar, ein paar von uns blieben im Zimmer und ich lief mit ein paar anderen Kindern nach unten um endlich Hilfe zu holen aber die Nonnen waren immer noch beim beten. Da wir wussten das im Nachbar Kinderheim(St.Johann) ein Arzt war liefen wir dort rüber und sagten dort was wir gesehen hatten der Arzt kam sofort mit und ließ noch einen Krankenwagen rufen weil er wohl merkte das es ernst war. Er lief ins Haus und wir mussten unten auf den Krankenwagen warten. Da endlich kamen auch die Nonnen und wollten uns wegscheuchen aber wir hatten ja einen Auftrag vom Arzt und blieben, uns wurde Strafe angedroht aber das störte uns nicht. Als dann der Krankenwagen endlich kam, das dauerte lange, ich glaube der kam immer aus Lübeck, wurde Frl. Edith ins Krankenhaus gebracht und dann kam für uns Kinder das Größte, der Arzt schrie in unserem Beisein die Nonnen an „was sie sich dabei gedacht hätten“ keine Hilfe zu holen und wollte sie wegen unterlassener Hilfeleistung anzeigen. Wir hatten danach noch weniger zu lachen und ob der Arzt sie wirklich angezeigt hat, haben wir nie zu wissen gekriegt Fräulein Edith aber kam nach ein paar Wochen wieder und hat sich bei uns mit einem großen Eis bedankt, blieb aber nicht mehr lange in dem Heim. (Hier waren Bilder eingefügt darum der Abstand) Aber wir mussten bleiben, mussten als evangelische Kinder an den Katholischen Gottesdiensten und an Andachten teilnehmen, hinter Weihrauch schwenkenden Messdienern? herlaufen, mir wurde immer schlecht von dem Geruch (Gestank). Dann wurden auch noch Kinder mit Diphtherie krank und wir wurden alle untersucht ob wir uns angesteckt hätten bei mir und ein paar anderen Kindern war es der Fall aber wir waren nur Bazillenüberträger, mussten trotzdem in Quarantäne ins Kinderkrankenhaus nach Lübeck. Dort blieb ich fast 3 Monate, alle drei Tage wurde ein Nasenabstich gemacht oft waren die 1-2x negativ und beim 3ten wieder positiv. Dreimal negativ ist aber Vorraussetzung für die Entlassung, Meine Mutter konnte mich nur einmal im Krankenhaus besuchen, da fehlte das Geld, brachte mir dann auch noch die Nachricht mit das mein Vater gestürzt war und sich einen Oberschenkel Halsbruch zugezogen hatte und dieser wurde bei ihm als einer der ersten Patienten mit einem so genannten „Kürschnernagel“ im Lauenburger- Krankenhaus genagelt. Ich wusste damals zum Glück nicht wie gefährlich so ein Bruch in dem Alter ist, er war damals schon 72 Jahre alt und konnte sehr schwer laufen da er starkes Gelenkrheuma hatte, meine Mutter behandelte ihn als Ersatz fehlender Medikamente mit frisch gepflückten Brennnesseln, indem sie ihn damit regelmäßig abklopfte, es muss höllisch gebrannt haben war aber wohl besser zu ertragen als die Schmerzen. Jetzt weiter mit dem Krankenhausaufenthalt: Nach fast 3 Monaten gab uns eine junge Schwester ein Glas Bienenhonig, den sie von einer Mutter eines Mitpatienten erhalten hatte, mit einem Zettel als „Gebrauchsanweisung“: Jeden Tag kurz vor dem Abstrich in Wasser aufgelösten Bienenhonig durch die Nase! trinken und runterschlucken und zwar alle im Zimmer, nach etwas Übung klappte es auch und siehe da nach dem 3.ten Abstrich waren wir immer noch negativ und wurden bald darauf entlassen. Aber leider nicht wie erhofft nach Hause sondern „zur Erholung“ wieder in das Kinderheim, trotz Protestes bei den Ärzten, unsere Eltern meinten es ja nur gut mit uns! und über die Zustände im Heim wussten sie nichts, trotz der Karten die wir geschrieben hatten, denn die, in denen wir davon berichteten wurden von den Nonnen nicht weitergeleitet denn wie wir später erfuhren wurde unsere ganze Post gelesen und nur die ohne Hinweis auf die Zustände zur Post gegeben. Ich erfuhr das aber erst zu Hause das viele Karten nicht angekommen waren (Briefe durften wir übrigens nicht schreiben, im Nachhinein weiß ich auch warum. Es wurde damals aber nichts unternommen, das wäre heute zum Glück anders.