Vor lauter Angst vor Bestrafung das Erbrochene aufgegessen

Vor lauter Angst vor Bestrafung das Erbrochene aufgegessen

Elke Kühn 

Verschickungsheim: Düsseldorf-Mettmann auf Amrum

Zeitraum (Jahr): Oktober/November 1959

Welche Arten von Misshandlungen/Missbrauch gab es?: psychische Gewalt

Ich wurde damals innerhalb von 6 Wochen von 20 auf 30 kg “gemästet”.

Zum Frühstück gab es ein mit Marmelade belegtes Brot und 3 (!!!) Teller Haferflockensuppe oder Makkaroni in Milch. Mittags gab es einen Teller Suppe und 3 Teller mit Hauptspeise (Gulasch mit Nudeln o. ä.). Danach war Mittagsruhe für 2 Stunden. Anschließend gab es eine Tasse Kakao und ein Milchbrötchen. Abends dann wieder einen Teller Suppe und 3 (!!!) Teller mit dem Hauptgericht. Wer nicht alles aufgegessen hatte, der wurde ind Bett geschickt damit bestraft, dass er z. B. am Kasperletheater nicht teilnehmen durfte. Ich war damals in der “Staren”-Gruppe und musste miterleben, dass Kinder die Mahlzeiten in den Teller erbrochen haben und vor lauter Angst vor Bestrafung das Erbrochene aufgegessen haben.

Ich war damals in der “Staren”-Gruppe und wir hatten eine sehr liebe “Gruppentante”. Während der Mittagsruhezeit hat aber oft ihre Schwester Ulrike die Aufsíchtsrunde gedreht, die nachgeguckt hat, ob wir auch alle brav schlafen, Wurde jemand mit offenen Augen entdeckt oder hat den Eindruck erweckt nicht tief zu schlafen, wurde er von den Privilegien der fest schlafenden Kinder ausgeschlossen und dazu gab es auch noch eine Ohrfeige,

Wir mussten auch in der Strandhalle splitterfasernackt um im Kreis aufgestellte Höhensonnen mit schädlichen UV-Strahlen herum tanzen. Ausnahmen gab es keine.

Nur meiner sehr lieben “Gruppentante” habe ich es zu verdanken, dass ich Amrum auch etwas Gutes abgewinnen konnte. Sie hatte uns auch ohne Zwangsmaßnahmen immer im Griff.