Als ich heim kam, stank ich erbärmlich nach Urin

Als ich heim kam, stank ich erbärmlich nach Urin

Von: Anonym

Mein Heim:
Behmerburg, Bad Rothenfelde

Zeitraum der Verschickung
1965

Meine Geschichte:

Welche Arten von Misshandlungen/Missbrauch gab es?: beides

Ich erinnere mich noch als wäre es heute daran, wie grausam mit uns/mir umgegangen wurde. Die Süßigkeiten, die meine Eltern mir mitgegeben hatten, wurden direkt konfisziert und wurden nie mehr gesehen. Ich war 5 Jahre alt. Essen, was man nicht mochte musste gegessen werden, egal wie lange das dauerte. Ich saß gefühlt Stunden allein mit den Aufsichten im Speisesaal. Die Aufsichten wechselten sich ab, bis sie mir das Essen in den Mund stopften. Unser Schlafsaal befand sich ganz oben und die Toilette wurde abends abgesperrt. Ich musste mich übergeben und brach vor die Toilettentür. Ich durfte deshalb am nächsten Tag bis zum Abend nicht den Schlafsaal verlassen. Da ich auch nach dem Verschluss der Toilette noch mal auf das Klo musste und das nicht möglich nässte ich über Nacht ins Bett. Und ich musste wieder bis zum Abend im Bett bleiben. Meine Mutter hatte an all meine Kleidung Namensetiketten angebracht, aber die Aufsicht stellte sich jeden Morgen an die Wand, an der ein Kleiderschrank stand und holte immer Anziehsachen von mir heraus und fragte wer die denn anziehen mochte. Ich musste als Kleinste immer einen schweren Karton tragen, in dem sich Essen und Trinken befand, wenn Ausflüge unternommen wurden, oder wenn wir Obst ernten mussten. Ich durfte nur einmal die Woche gewaschen werden und man schlug mich, weil meine Unterhose gelb vom Urin war. Ich bekam aber nicht tägliche frische Unterwäsche, nur einmal in der Woche wurde meine Unterwäsche gewechselt. Die Aufsicht stellte mich vor den anderen deshalb bloß. Als ich heim kam, stank ich erbärmlich nach Urin und kam gleich in die Badewanne und war sehr wund. Man stahl mir meine Himbeerzahnpasta. Ich bekam in den sechs Wochen eine Karte mit einem Sandmann von meinem Bruder. Ich bat darum, dass man sie mir vorlas, daraufhin sagte man mir, ich sollte mir wen suchen, der die Karte vorliest. Ich hatte viel später mit meinen Eltern darüber gesprochen, dass ich nur eine Karte von Ihnen erhalten hatte. Meine Eltern sagten mir, dass sie und mein Bruder fast täglich mir Karten geschickt hätten. Habe diese leider nie erhalten Am letzten Tag gab es eine Kutschfahrt. Ich wollte nicht mit, musste aber. Wir konnten uns jeder ein kleines Souvenir aussuchen, auch das wollte ich nicht musste aber. Ich suchte mir einen Fernseher aus, wenn man durchsah und auf einen Knopf drückte kam ein anderes Bild. Ich stellte es abends auf meinen Nachttisch und morgens war er weg. Ich bin nun schon 61 Jahre alt, aber diese grausame Zeit werde ich nie vergessen und kann da auch echt niemanden vergeben!!!